Die Polung einer SMD-LED bestimmst du anhand ihres Datenblatts: Gehäusezeichnung und Schaltsymbol zeigen, welcher Anschluss die Anode und welcher die Kathode ist. Vergleiche dabei die genaue Teilenummer, die Blickrichtung und das Merkmal am Bauteil. Ein geeigneter Diodentest kann die Zuordnung ergänzen. Bleibt die LED dunkel oder zeigt das Multimeter „OL“, ist das allein noch kein Beweis für einen Defekt.

Anode und Kathode einer SMD-LED bestimmen
Eine zweipolige LED hat eine Anode (A) und eine Kathode (K). In Durchlassrichtung liegt die Anode auf dem höheren elektrischen Potential. Als vereinfachte Orientierung entspricht das A = Plus und K = Minus. Das bedeutet aber nicht, dass die LED ohne Strombegrenzung direkt an eine Versorgung angeschlossen werden darf. Die Anschlussfunktionen erklärt ROHM im Überblick zu LED-Typen.
Im Schaltsymbol erkennst du die Kathode am Querstrich. Die Spitze des Diodensymbols zeigt auf diesen Strich; die beiden nach außen gerichteten Pfeile eines LED-Symbols stehen für Licht. Manche Hersteller lassen diese Lichtpfeile in ihrer Anschlusszeichnung weg. Bei der Kingbright APHHS1005LSECK/J3-PF zeigt das Symbol auf Seite 1 beispielsweise: Pin 1 ist die Kathode, Pin 2 die Anode.
Zuerst brauchst du deshalb Hersteller und vollständige Teilenummer. Du findest sie auf der Verpackung, in der Stückliste oder in den Bestellunterlagen. „0603“ oder „1206“ bezeichnet eine Größenklasse, nicht eine bestimmte LED mit festgelegter Polung. Mehr dazu steht im Ratgeber zu SMD-Größen und ihren Bezeichnungen.
- Teilenummer abgleichen. Öffne das Datenblatt des Herstellers für den genauen Typ einschließlich seiner Suffixe.
- Ansicht bestimmen. Prüfe, ob die Zeichnung die Oberseite, die Montageunterseite oder eine Seitenansicht zeigt. Häufig heißen diese Ansichten „Top View“ und „Bottom View“.
- Merkmal vergleichen. Halte die LED so, wie die Zeichnung sie zeigt. Vergleiche Markierung und Kontaktform mit der Anschlusszuordnung.
- Pad prüfen. Die Kathode muss auf dem Pad liegen, das im Layout mit dem Kathodenanschluss verbunden ist.
Fehlen die Unterlagen, liefert eine ähnlich aussehende LED keine sichere Zuordnung. Dann kommt eine Prüfung mit einem geeigneten Multimeter infrage. Bleibt auch ihr Ergebnis unklar, lässt sich die Einbaurichtung damit nicht zuverlässig bestimmen.
Punkt, Dreieck und Kerbe richtig lesen
Eine grüne Markierung an einer SMD-LED ist keine allgemeingültige Kennzeichnung der Kathode. ROHM beschreibt unterschiedliche Markierungsformen und verweist für die Zuordnung auf das jeweilige Datenblatt. Entscheidend ist daher, was der Hersteller für deine Teilenummer angibt.
Auch eine Kerbe oder ein Dreieck muss mit der passenden Ansicht verglichen werden. Die folgenden drei Beispiele zeigen, wie du dabei vorgehst.
Auf kleinen Bildschirmen kannst du die Tabelle seitlich verschieben. Mit der Tastatur: Tabelle anwählen und Pfeiltasten nutzen.
| LED | Merkmal und Zuordnung | Herstellerzeichnung |
|---|---|---|
| Kingbright APHHS1005LSECK/J3-PF | Unterschiedliche Kontaktformen; Pin 1 = K, Pin 2 = A | Seite 1, Rev. V.6A |
| Vishay VLMW1300 | Kathodenhinweis rechts in der unten angeordneten Draufsicht | Seite 6, Rev. 1.3 |
| ROHM SML-D12U1WT86 | Dreieck und Diodensymbol: K links in der dargestellten Unteransicht | Seite 4, Rev.008 |

Bei der Kingbright-LED zeigt die Kontaktansicht auf Seite 1 die Montageunterseite. Pin 1 liegt links, Pin 2 rechts. Das danebenstehende Schaltsymbol ordnet ihnen Kathode und Anode zu. Die asymmetrischen Kontakte helfen, das Bauteil in derselben Ansicht auszurichten.

Bei der Vishay-LED steht die Draufsicht unten auf der Datenblattseite. Dort weist die Beschriftung „Cathode“ auf die rechte Seite. Beide kurzen Gehäuseenden haben eine Ausnehmung; eine Kerbe allein unterscheidet sie deshalb nicht. Die darüber angeordnete Unteransicht zeigt zusätzlich eine asymmetrische Kontaktkontur. Aus der Hinweislinie „Cathode“ allein lässt sich kein bestimmter Farbaufdruck am Bauteil ableiten.

Bei der ROHM-LED zeigt das Dreieck in der Unteransicht nach links. Das Diodensymbol darunter kennzeichnet dieselbe Seite als Kathode. Eine Farbe des Zeichens geht aus dieser schwarzweißen Darstellung nicht hervor.
Beim Vergleichen zählt die Blickrichtung: „oben auf der PDF-Seite“ bedeutet nicht automatisch „Oberseite der LED“. Drehe das Bauteil passend zur Zeichnung und übertrage die Zuordnung nur auf die genannte Teilenummer. Die Grafiken sind Lesehilfen zu diesen drei Datenblättern, keine allgemeine Polungstabelle für alle SMD-LEDs.
SMD-LED mit dem Multimeter prüfen
Mit dem Diodentest lässt sich eine vermutete Anschlusszuordnung kontrollieren. Vorher müssen die Prüfbedingungen des Multimeters zu den elektrischen Grenzen der LED passen. Dazu gehören Prüfspannung, Prüfstrom und Anzeigebereich. Eine fehlende Anzeige kann auch daran liegen, dass das Messgerät für die betreffende LED nicht ausreicht.
Der folgende Ablauf gilt für einzelne LEDs und zugängliche, spannungsfreie Kleinspannungsbaugruppen.
- Versorgung trennen und Spannungsfreiheit prüfen. Berücksichtige gespeicherte Ladung in Kondensatoren.
- Diodentest wählen. Vergleiche die Prüfbedingungen aus dem Gerätehandbuch mit dem LED-Datenblatt, einschließlich der zulässigen Sperrspannung bei umgekehrter Polung.
- Prüfspitzen anlegen. Beim beschriebenen Vorwärtstest liegt die rote Leitung an A und die schwarze an K. Die passende Geräteanleitung ist maßgeblich.
- Ergebnis beobachten. Achte auf die Spannungsanzeige und mögliches Leuchten. Ein universeller Sollwert gilt für LEDs nicht.
- Unklares Ergebnis prüfen. Kontrolliere Kontaktierung und Messgrenzen. Andere Strompfade auf einer bestückten Platine können die Messung beeinflussen; gegebenenfalls muss ein LED-Anschluss getrennt werden.
Der Anschluss und die Vorbereitung folgen der Fluke-Anleitung zum Diodentest. Ein Anschluss wird nur mit geeignetem Werkzeug und den nötigen Lötkenntnissen vom übrigen Stromkreis getrennt.
Ein Beispiel für die Messgrenzen: Beim Fluke 113 sind 2,7 V Leerlauf-Prüfspannung und 2,000 V Messbereichsendwert angegeben. Das eine beschreibt die Spannung ohne angeschlossene Last, das andere den Spannungsmessbereich. Für die weiße Vishay VLMW1300 nennt das Datenblatt 2,70 bis 3,15 V Vorwärtsspannung bei 5 mA und 25 °C. Bei einem anderen Prüfstrom verändert sich die Vorwärtsspannung. Die Angaben zeigen, warum Geräte- und LED-Daten zusammen geprüft werden müssen; sie sagen das Ergebnis dieses konkreten Tests nicht voraus.
- „OL“ auf dem Display: Bedeutung im Gerätehandbuch nachsehen. Eine offene Verbindung, Sperrrichtung, die Messgrenze oder ein Defekt kommen als Erklärung infrage.
- Kein sichtbares Leuchten: Das allein reicht für eine Defektdiagnose nicht aus.
- Unerwartete Anzeige auf der Platine: Prüfe, ob andere Bauteile zusätzliche Strompfade bilden.

Die Skizze erklärt den Anschluss. Es liegt kein eigener Messversuch mit den hier genannten Bauteilen und Geräten zugrunde. Ein Durchgangspiepser ersetzt den beschriebenen Diodentest nicht.
Einbaurichtung auf der Platine kontrollieren
Im Layout muss die Anschlussfunktion am richtigen Pad ankommen. Die KiCad-Dokumentation beschreibt dafür die Zuordnung über Pin- und Padnummern. Verfolge also die Kathode vom Schaltplansymbol über ihre Anschlussnummer bis zum Footprint. Vergleiche anschließend die Lage dieses Pads mit der Herstellerzeichnung.
Ein Bibliotheksname wie „LED_0603“ oder eine plausibel aussehende 3D-Ansicht genügt dafür nicht. Auch eine angenommene Regel wie „Pin 1 ist immer die Kathode“ ersetzt den Abgleich nicht.
- Hersteller, vollständige Teilenummer und Datenblattfassung sind dokumentiert.
- A/K und Pin-/Padnummern passen zusammen.
- Blickrichtung und betrachtete Leiterplattenseite sind eindeutig.
- Bestückungszeichnung und Polungsangabe im Bestückungsdruck stimmen mit der Zuordnung überein.
- Bei einem Ersatzbauteil wurde dessen Datenblatt erneut geprüft.
Ein Ersatzteil kann dieselbe Grundfläche haben und trotzdem einen erneuten Anschlussabgleich erfordern. Dokumentiere deshalb Teilenummer, Ansicht und Datenblattseite. Die Notiz macht spätere Prüfungen nachvollziehbar; bei einem anderen Bauteil oder geänderten Unterlagen beginnt der Abgleich erneut.
Für einen Bestückungsauftrag muss die Einbaurichtung auch aus den Fertigungsunterlagen hervorgehen. Welche Daten dazugehören, erklärt der Ratgeber zur Leiterplattenbestückung.
Weitere Fragen zur LED-Polung
Gilt die Anleitung auch für RGB-LEDs?
Nur eingeschränkt. Eine RGB-LED enthält mehrere Leuchtdioden. Ihre Anschlüsse können getrennt herausgeführt sein oder eine gemeinsame Anode beziehungsweise Kathode haben, wie ROHM beschreibt. Nutze die Pinbelegung des jeweiligen Gehäuses. Adressierbare LEDs mit integriertem Treiber brauchen ebenfalls einen eigenen Datenblattabgleich; ihre Versorgungs- und Datenanschlüsse sind nicht durch den Zweipol-Ablauf erklärt.
Kann ich eine unbekannte SMD-LED direkt an eine Batterie halten?
Für eine unbekannte LED ist das keine verlässliche Prüfmethode. Spannung und Strombegrenzung müssen zu ihren Grenzwerten passen. Beim direkten Anschluss ohne ausgelegte Strombegrenzung ist das nicht sichergestellt. Prüfe zuerst die Bauteildaten und verwende eine geeignete Prüfquelle. Fehlen diese Angaben, liefert auch ein Batterieversuch keine belastbare Freigabe zum Einbau.
Quellen
- ROHM: LED Types – Anschlussfunktionen, Markierungen und RGB-Varianten.
- Kingbright: APHHS1005LSECK/J3-PF – DSAO4039, Rev. V.6A; Anschlusszeichnung auf Seite 1.
- Vishay: VLMW1300 – Dokument 82435, Rev. 1.3 vom 19.03.2021; elektrische Daten und Gehäusezeichnung auf Seite 6.
- ROHM: SML-D12U1WT86 – Rev.008, März 2025; Figure 1 auf Seite 4.
- Fluke: How to test diodes – Vorbereitung und Messleitungszuordnung.
- Fluke 113: technische Daten – Prüfspannung und Messbereich im Diodentest.
- KiCad 10.0: Schematic Editor – Zuordnung von Symbolanschlüssen und Footprint-Pads.